TYPEN/TYPES

Abstract portraits of six friends.

Each portrayed friend has donated a towel which functions as my starting point for the object. The result is a group of assembled and abstract portraits of the givers. All 'Types' together form a group, like a circle of friends. 

K.A. / V.H / A.S. / G.K. / C.A. / I.M.

Meisterschülerausstellung - Uferhallen Wedding, Berlin

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Typen
Text von Susanne Weiß

Das umstrukturierte Ich

Für Dich ein Objekt, für mich Alltag. Jeden Morgen gewinnt mein Körper an Halt, mein Gesicht wird in dem anliegenden Gegenüber
getröstet. Was unabdingbar scheint, existiert in unzähligen Facetten. Es gibt Exemplare, die haben uns allen gehört und ebensolche leben schon seit meiner Geburt mit mir. Sie sind identifizierende Erinnerung. Immer dabei gewesen und einige tragen die Initialen meiner Mutter. Es gibt vielleicht drei an die ich mich wirklich gut erinnere, obwohl sie auf den ersten Blick unscheinbar wirken, aber unterschiedlicher nicht sein könnten. Wenn ich sie heute in der Hand halte, sehe ich darin mehr als ein Handtuch, ich sehe mich in verschiedenen Formen.

Ich habe K.A., A.S., V.H., G.K., C.A. und I.M. alle zum ersten Mal letzten Sommer getroffen. Zuerst haben sie versucht sich zu verstecken und mit ihrer Identität zu kokettieren. Nach mehreren Begegnungen war es ihnen nicht länger möglich, ihre Struktur und ihre Herkunft zu verbergen. Seitdem bevölkern sie einen Raum in meiner Erinnerung.

Katrin Albrechts Werke legen rhizomatische Verhaltensweisen an den Tag. Als Bildhauerin, die von Anfang an mit dem Material Stoff gearbeitet hat, verknüpft und gestaltet sie Objekte, die hinterher auf ihrer Bühne auftreten dürfen. Ihre Sprache richtet sie in und an den Raum und seine Bewohner. Für die erschafft sie Räume der Erkenntnis. Ihr Minimalismus trifft dabei auf das object trouvé, das dieser schon wieder vergessen hatte. Ihre Objekte leben von ihrem neuen Kontext, ihrer Umgebung, Referenz und Identität. Ihre Abstraktion führt den Betrachter zum Kern – zu seinem und zu ihrem. Infolgedessen entwirft sie keine reale Übersetzung ihrer Beobachtungen, sondern formt ihre Wahrnehmung zu einer skulpturalen Realität. Unabdingbar für die Abstrahierung ihrer Eindrücke ist die Schenkung der Portraitierten. Das von ihnen ausgewählte Handtuch, welches sie als ihren Stellvertreter ausgesucht haben, findet seine Entsprechung in der Interpretation Albrechts. Die sechs Skulpturen tragen Pseudonyme, die diese unterstreichen. Sie stehen in ihrer Differenz zueinander und tragen ihre innere Beschaffenheit nach außen. So ist es Herr oder Frau C.A., die mich in ihrer Form am stärksten berührt, eine Person, die auf wackligen Beinen steht, Schutz durch ihr ausgewähltes Attribut gewinnt und je nach Zustand, ob traurig oder nicht, ihr Erscheinungsbild verändern kann. Wenn ich demnächst jemandem begegne, der seine Fahne immer in den Wind hält und dabei mit nur einem Fuß auf dem Boden steht, werde ich wohl an V.H. denken müssen.

Katrin Albrecht schafft nicht nur Kommunikation mit und unter ihren Objekten, sondern sie macht ihre Erinnerung sichtbar. Ihre Werke fügen sich aus nicht zusammengehörenden Teilen zu einem Ganzen. Ihre Arbeitsweise lässt einen deutlichen Bezug zu den Verwandten der Bildhauerei, der Bühne und der Architektur erkennen. Dadurch errichtet sie architektonisch anmutende Skulpturen, die sowohl
losgelöst von ihrem Kontext existieren können, aber ohne diesen nicht mehr miteinander kommunizieren können. Und diese Eigenschaft, das elegante Nachzeichnen von Beziehungen, ist das Hauptaugenmerk in der Arbeit von Katrin Albrecht.